Der Ursprung der Schlarafia
Wie alles begann – Standesdünkel, Trotz und Ritterspiel
Die Geschichte der Schlaraffia beginnt im Jahr 1859 in Prag – und mit einer Zurückweisung, die mehr über ihre Zeit verrät als über den Zurückgewiesenen. Prag ist für die Schlaraffen bis heute mehr als ein Ort des Ursprungs. Als Allmutter Praga gilt sie als geistige Wiege des schlaraffischen Spiels.
Im Mittelpunkt der Ereignisse stand der junge Bassist Albert Eilers. Er sollte auf Wunsch seines Förderers Franz Thomé, Direktor des Deutschen (Landständischen) Theaters in Prag, in die Künstlervereinigung „Arcadia“ eingeführt werden. Thomé wollte einen begabten Künstler in einen Kreis Gleichgesinnter aufnehmen lassen. Doch Talent genügte nicht. Eilers war mittellos – und der Stand galt mehr als die Kunst. Die Aufnahme wurde verweigert.
Diese Zurückweisung traf nicht nur Eilers. Sie traf auch Thomé. Aus Trotz gegen diesen Standesdünkel schlossen sich Eilers, Thomé und weitere Theaterkollegen zusammen und gründeten einen eigenen Stammtisch. Spöttisch nannten sie ihn den „Proletarier-Club“ – eine klare, ironische Antwort auf Rangdenken und Ausgrenzung.
Das ritterliche Spiel kam nicht zufällig hinzu. Zum einen war es eine bewusste Überzeichnung der starren gesellschaftlichen Hierarchien der Zeit: Wenn schon Titel und Würden, dann bitte mit Helm, Mantel und Augenzwinkern. Zum anderen entsprach es dem Geist des 19. Jahrhunderts. Das idealisierte Mittelalter war in Literatur, Musik und Kunst allgegenwärtig – und bot die passende Bühne für ein Spiel, das Kunst und Ironie miteinander verband.
So verbanden sich Trotz und Spiel, Spott und Ordnung. Rittertitel, Ämter und Zeremonien wurden bewusst überhöht und zugleich entwaffnet. Niemand sollte sich wichtiger nehmen als der andere – und genau darin lag der Kern der Idee.
Aus diesem Zusammenspiel entstand in Prag eine Gemeinschaft, die von dort aus ihren Weg in viele Städte und Länder fand. Die Allmutter Praga blieb dabei stets Bezugspunkt und Ursprung dessen, was bis heute Schlaraffia heißt.