Der letzte Ritt
Der letzte Ritt – Abschied und Erinnerung
Der schlaraffische Weg endet nicht mit dem Ritterschlag. Er reicht weiter – bis über das Leben hinaus. Auch am Ende verlassen die Schlaraffen ihre Gemeinschaft nicht. Sie treten an zu ihrem letzten Ritt, dem Alhallaritt.
Wenn ein Ritter stirbt, wird sein Abschied im Reych bewusst gestaltet. Die verbliebenen Schlaraffen richten eine besondere Sippung aus. Sie ist kein Trauerakt im herkömmlichen Sinn, sondern ein Abend des Erinnerns. Es wird an den Verstorbenen gedacht, von ihm erzählt, von gemeinsamen Abenden, von Eigenheiten, von Wortwitz, Kunst und kleinen Marotten. Die Erinnerung bleibt lebendig – getragen von Geschichten.
Diese Feier ist würdig, aber nicht drückend. Schlaraffen verabschieden sich nicht mit gesenktem Blick, sondern mit dem Wunsch, den Freund so in Erinnerung zu behalten, wie er war: lachend, schmunzelnd, kunstvoll. Ernst und Heiterkeit stehen nebeneinander, wie sie es im Spiel immer getan haben.
Als sichtbares Zeichen wird das Wappen des verstorbenen Ritters mit einem Trauerflor versehen. Sein Bild findet seinen Platz im Alhallaschrein, der im Saal der Burg steht. In ihm werden die Fotografien aller Ritter bewahrt, die das Reych verlassen haben. Der Schrein ist kein Ort des Vergessens, sondern des Erinnerns.
Einmal im Jahr, im November, wird der Alhallaschrein geöffnet. In einer gemeinsamen Sippung wird aller Ritter gedacht, die nicht mehr unter uns sind. Dies wird begleitet von einem Gräbergang auf dem Friedhof. Still, gesammelt und verbunden – aber auch mit mancher Anekdote.
So endet der schlaraffische Weg nicht mit dem Tod. Er wird weitergetragen in Erinnerung, Erzählung und Gemeinschaft. Der Ritter bleibt Teil des Reyches – nicht als Name in einer Liste, sondern als Mensch, der Spuren hinterlassen hat.
