Schlaraffischer Werdegang

Der Pilger – der erste Schritt in die Burg

Am Anfang steht der Pilger. So nennt man einen Gast, der erstmals eine schlaraffische Sippung besucht. Ein Pilger kann auf Einladung kommen oder aus eigener Neugier den Kontakt suchen. Beides ist gleichermaßen willkommen.

Ein fester Pate ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht zwingend nötig. Manchmal bringt der Pilger selbst jemanden mit, manchmal findet sich im Laufe der Abende ein Ritter, der sich anbietet, ihn zu begleiten. Dieses Miteinander entsteht meist ganz von selbst.

Der Pilger schaut zu, hört zu und macht sich ein Bild. Er darf fragen, schweigen, lachen – und vor allem prüfen, ob ihm Ton, Spiel und Umgang zusagen. Gleichzeitig lernt auch das Reych den Pilger kennen. Beides geschieht ohne Druck.

Evolution eines Schlaraffen

Der Prüfling – wenn Neugier Bestand hat

Bleibt der Pilger und äußert den Wunsch, Schlaraffe zu werden, wird er Prüfling. Spätestens jetzt steht ihm ein Pate zur Seite, der ihn einführt und begleitet.

Der Prüfling nimmt regelmäßig an den Sippungen teil, wird im Spiel sichtbar und lernt Sprache, Ablauf und Gepflogenheiten kennen. Es geht dabei nicht um Können oder Auftreten, sondern um Humor und den Umgang mit anderen.

Am Ende dieser Phase steht die Kugelung – eine geheime Abstimmung im Spiel. Sie entscheidet darüber, ob der Prüfling aufgenommen wird. Dieses Verfahren ist bewusst anonym und soll Offenheit und Ehrlichkeit ermöglichen.

Die Kugelung – Entscheidung mit Augenmaß

Bevor ein Prüfling Knappe wird, steht ein besonderer Moment an: die Kugelung. Sie ist Teil des Spiels und zugleich ein ernst gemeinter Schritt.

In einer bewusst humorvollen Zeremonie stimmt das Reych über das Aufnahmebegehren ab. Die Abstimmung erfolgt anonym und geheim. Jeder Sasse legt verdeckt eine Kugel in einen Behälter – entweder eine weiße oder eine schwarze. Niemand sieht, wer welche Kugel wählt. Genau das ist gewollt.

Nach dem Einwurf aller Kugeln werden sie gemeinsam ausgezählt. Enthält der Behälter mehr als vier Fünftel weiße Kugeln, gilt die Aufnahme als beschlossen, und der Prüfling wird zum Knappen erhoben.

Die Kugelung ist kein Tribunal und keine Prüfung im üblichen Sinn. Sie soll sicherstellen, dass Offenheit und Ehrlichkeit möglich sind – frei von Gruppendruck und persönlichen Verpflichtungen. Zustimmung bedeutet nicht nur Sympathie, sondern das gemeinsame Gefühl, dass jemand zum Spiel und zur Gemeinschaft passt.

Fällt die Kugelung positiv aus, beginnt der nächste Abschnitt: Der Knappe