Was an einem Abend geschieht
Ein Schlaraffenabend dauert etwa zwei Stunden.
Er steht unter einem Thema, aber ohne Pflicht und ohne Erwartungsdruck. Wer etwas beitragen möchte, tut es. Wer lieber zuhört, ist ebenso willkommen.
Einige tragen Texte vor, erzählen, rezitieren oder spielen Musik. Andere hören zu, reagieren, lachen oder denken nach. Manchmal wird gesungen oder musiziert, manchmal auch ein Gefecht – allerdings als Wortgefecht mit Witz. Es geht nicht um Können, sondern um Freude am gemeinsamen Spiel. Perfektion interessiert niemanden. Freude schon.

Die Zusammenkunft heißt Sippung – und sie besteht aus zwei Teilen.
Im ersten Teil stehen die sogenannten Amtshandlungen im Mittelpunkt. Die Sippung wird feierlich eröffnet, Gäste aus anderen Städten werden begrüßt und es wird auf humorvolle wie formelle Weise Rückschau gehalten. Dazu gehört das Verlesen des Protokolls der vergangenen Woche – einmal amtlich, einmal bewusst unamtlich. Beides gehört zum Spiel: Ordnung und Ironie stehen nebeneinander.
Nach diesem ersten Teil folgt eine Pause. Man kommt ins Gespräch, stärkt sich, und wer im zweiten Teil etwas beitragen möchte, trägt sich in eine Liste ein. Niemand muss es, aber jeder darf.
Der zweite Teil gehört den Beiträgen. Hier wird vorgetragen, was man im schlaraffischen Sprachgebrauch „fechsen“ nennt. Das kann ein eigener Text sein oder ein fremder, Prosa oder Vers, ernst oder heiter, gesprochen oder musikalisch. Reine Witze zu erzählen gilt als zu wenig – gefragt sind Gedanken, Beobachtungen, Spiel mit Sprache oder Musik. Oft gibt es ein Rahmenthema, an dem man sich orientieren kann, aber nicht muss.
Geleitet wird der Abend vom sogenannten Thron, bestehend aus drei Oberschlaraffen. Ihre Titel und Anreden sind Teil des ironischen Spiels. Sie sorgen für den Ablauf, achten auf den Ton und halten das Gleichgewicht zwischen Ordnung und Leichtigkeit. Unterstützt werden sie von weiteren Ämtern, die ebenfalls zum Spiel gehören und mit sichtbarer Selbstironie ausgeübt werden.
Was dabei entsteht, ist kein Programm und keine Aufführung, sondern ein gemeinsamer Abend: strukturiert, aber offen; geregelt, aber entspannt. Niemand wird bewertet, niemand bloßgestellt. Achtung und Respekt stehen über allem – und der Humor trägt den Rest.
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